Merkel: „Der Islam gehört zu Deutschland!“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu bekundet, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Davutoglu gibt wegen stockenden Beitrittsverhandlungen der EU eine Mitschuld am Attentat in Paris.

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“Der Islam gehört zu Deutschland!” – Dieser Meinung ist nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) (Bild: blu-news.org)

„Unser früherer Bundespräsident Christian Wulff hat gesagt, der Islam gehört zu Deutschland. Und dieser Meinung bin ich auch“, sagte Merkel am Montag in Berlin beim Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu im Bundeskanzleramt.

Es gelte alles zu tun, dass Integration gelinge. Sie sei die Bundeskanzlerin aller Deutschen. Das schließt alle ein, die hier dauerhaft leben, egal welchen Ursprungs und welcher Herkunft sie seien, so die CDU-Politikerin.  Zugleich rief sie dazu auf, an einer Kundgebung der Islamverbände für „Toleranz und Religionsfreiheit“ teilzunehmen.

Regierung beteiligt sich an Mahnwache von Islamverbänden

Laut übereinstimmenden Medienberichten haben auf Anregung von SPD-Chef Sigmar Gabriel hin unter anderem der Zentralrat der Muslime und die Türkische Gemeinde in Deutschland zu einer Mahnwache am Brandenburger Tor aufgerufen. Außerdem schlossen sich ebenfalls der deutsch-türkische Verband Ditib, dessen Vorsitzender traditionell immer der Religionsattaché der türkischen Botschaft und der Verband ein deutscher Ableger der türkischen Religionsbehörde ist, an. Die Ditib reklamiert für sich, rund 70 Prozent der Muslime in Deutschland zu vertreten.

Neben Bundespräsident Joachim Gauck wolle auch Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Mahnwache teilnehmen, wie fast alle Bundesminister. Bisher haben unter anderem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ihr Kommen angekündigt.

„Wir werden morgen ein sehr starkes Zeichen haben“, sagte Merkel. Zugleich forderte sie einen verstärkten „Dialog zwischen den Religionen“. Derzeit gebe es auf allen Seiten noch „viel Unkenntnis“. Dennoch sei sie dankbar, dass die Muslime selbst die Trennlinie zögen und klar sagten, „wo Gewalt angewendet würde und wo Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung genutzt würde“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Türkei: Paris-Attentat wegen fehlendem EU-Beitritt

Der türkische Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu sagte nach dem Treffen laut rp-Online, die Anschläge in Paris seien die Folge des wachsenden Widerstandes aus Brüssel, die Türkei in die EU aufzunehmen. Die „Wurzel des Problems” liege darin, dass in Europa Politik mit dem Nein zur Türkei gemacht werde, sagte Davutoglu in Anspielung auf die Türkei-Skepsis bei europäischen Politikern und auf Erfolge  „rechtspopulistischer” Parteien in der EU.

Der türkische Regierungschef betonte, „Hetze” gegen andere Kulturen in Europa habe zur Radikalisierung muslimischer Jugendlicher beigetragen. Die Attentäter von Paris seien nicht in muslimischen Ländern aufgewachsen, sondern in Frankreich.

Heuchler in den Reihen

Davutoglu hatte am Sonntag ebenfalls in Paris am Trauermarsch für die Opfer der Terroranschläge der vergangenen Woche und für die Meinungs- und Pressefreiheit teilgenommen. Bei dem medial aufbereiteten Gedenkmarsch waren rund 50 ausländische Staats- und Regierungschefs anwesend.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen sieht, wie WO berichtet, die Teilnahme mancher Repräsentanten kritisch, da diese Länder nicht dafür bekannt seien, dass diese das hohe Gut der Meinungs- und Pressefreiheit verteidigen würden.  Neben Davutoglu, der türkischen Vertretung, in dessen Land sich aktuell Karikaturisten von der eigenen Regierung bedroht fühlen, marschierte der Botschafter Saudi-Arabiens, dessen Regierung, wie blu-News berichtete den Internetblogger Raif Badawi wegen „Beleidigung des Islam” zu zehn Jahren Haft, 1.000 Peitschenhieben sowie einer Geldstrafe von 194.000 Euro verurteilt. Ebenfalls mit trauernder Miene der Scheich Hamad Bin Chalifa Al Thani aus dem wahhabitischen Katar, der 2013 einen Mann für ein regierungskritisches Gedicht für 15 Jahre einsperren lies.

Wie die israelische Zeitung Haaretz schrieb, hatte Präsident François Hollande den  israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ursprünglich gebeten, nicht an der Kundgebung teil zunehmen, da er befürchtet habe, dass die Solidaritätsbekundungen vom Nahost-Konflikt überschattet werden. Nachdem sich Netanjahu aber nicht von seiner Teilnahme abbringen lies, habe man dann auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eingeladen.  (BS)

 

Quelle: http://www.blu-news.org/2015/01/12/merkel-der-islam-gehoert-zu-deutschland/

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