Überraschende Schuldzuweisung des türkischen Präsidenten

Frankreich steckt hinter dem Massaker bei Charlie Hebdo – auch der Mossad wird für die Tat verantwortlich gemacht

Tyler Durden

 

Vor gerade einmal 48 Stunden nahm der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu zusammen mit einer Million anderer Menschen in Paris an dem Trauermarsch zu Ehren der 17 Mordopfer teil, die von IS-Unterstützern ermordet worden waren. Aber kaum war er in seine Heimat zurückgekehrt, änderte sich die Betrachtung, und – wie die Financial Times (FT) zurückhaltend zusammenfasste – der türkische Präsident schlug »einen sehr viel stärker auf Konfrontation angelegten Ton an«. So kann man es auch ausdrücken.

 

Tatsächlich tat der frühere Ministerpräsident und jetzige türkische Staatspräsident eines NATO-Mitgliedslandes, Recep Tayyip Erdoğan, das Undenkbare: Er beschuldigte den Westen und insbesondere die französischen Bürger, die Morde an den Redakteuren von Charlie Hebdoinszeniert zu haben, um dann Muslimen die Tat in die Schuhe zu schieben.

 

»Die Doppelmoral und Scheinheiligkeit des Westens liegen auf der Hand«, sagte Erdoğan am Montagabend auf einer Pressekonferenz. »Als Muslime haben wir nie für Terror und Massaker Partei ergriffen: Hinter diesen Massakern stehen Rassismus, Hassreden und Islamfeindschaft.«

 

Seine Pointe lautete: »Die Schuldigen stehen fest: Französische Staatsbürger haben dieses Massaker begangen, und Muslime wurden dafür verantwortlich gemacht.«

 

Die FT zeigt sich überrascht: »Führende türkische Politiker haben den Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo, einen jüdischen Supermarkt und den Mord an einer Polizistin zwar wiederholt verurteilt, aber im Land selbst verbreitet sich parallel ein anderes Narrativ, in dem Verschwörungstheoretiker die Schuld für die Morde eher ausländischen Geheimdiensten als radikalen Islamisten anlasten.«

 

Aber nicht nur die Franzosen sollen hinter den Anschlägen stehen, auch dem Mossad wird die Schuld zugeschoben. Noch einmal die FT:

»So erklärte der Bürgermeister der türkischen Hauptstadt Ankara, Melih Gökçek von der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AK), ebenfalls am Montag:

›Hinter Ereignissen dieser Art steckt mit Sicherheit der [israelische Geheimdienst] Mossad … Damit soll Feindseligkeit gegenüber dem Islam geschürt werden.‹ Gökçek stellte die Anschläge in Zusammenhang mit den französischen Vorstößen zu einer Anerkennung der Staatlichkeit Palästinas.

Der türkische Parlamentarier und außenpolitische Sprecher der AK, Ali Şahin, nannte in der vergangenen Woche acht Gründe, aufgrund derer er zu der Ansicht gelangt sei, die Morde seien inszeniert worden, damit man ›sie Muslimen und dem Islam in die Schuhe schieben kann‹.«

Aber zurück zu Erdoğan:

»In seiner Erklärung am Montag merkte Erdoğan an: ›In der gesamten islamischen Welt werden derartige Spielchen gespielt.‹

Er gab seiner Befremdung darüber Ausdruck, dass die französischen Geheimdienste die Verantwortlichen nicht wirksamer verfolgt hätten.«

 

Darüber hinaus zeigt sich die FT darüber konsterniert, dass die Türkei nicht das einzige Land sei, in dem derartige Verschwörungstheorien laut würden; auch Russland gehöre dazu:

»In Russland versuchen einige Kreml-Kommentatoren die Morde mit geopolitischen Machenschaften seitens der USA in Verbindung zu bringen.

Eine der führenden russischen Boulevardzeitungen, Komsomolskaja Prawda, titelte: ›Stehen die USA hinter dem Terroranschlag in Paris?‹ und veröffentlichte auf ihrer Internetseite eine Reihe von Interviews, in denen verschiedene Gründe dargelegt werden, aus denen heraus möglicherweise Washington die Anschläge organisiert habe.

In einem dieser Interviews behauptete Alexander Schilin, Leiter des auf der Seite des Kreml stehenden Moskauer Zentrums für die Untersuchung angewandter Probleme, der Anschlag sei die amerikanische Vergeltung dafür, dass der französische Staatspräsident in einem Radiointerview vom 6. Januar die EU aufgefordert habe, die EU-Sanktionen gegen Russland aufzuheben. Washington habe versucht, die geopolitischen Interessen in der Ukraine mit den Anschlägen ›schnell wieder festzuzurren‹.«

 

Aber am meisten zeigt sich die FT darüber überrascht, dass man in Russland die Anschläge im Zusammenhang mitCharlie Hebdo mit der Tragödie der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA vergleicht:

»›In den letzten zehn Jahren wurde der so genannte islamistische Terror von einem der weltweit mächtigsten Geheimdienste kontrolliert‹, erklärte Alexei Martinow, Direktor der Denkfabrik Internationales Institut für neue Staaten, gegenüber dem Internetmagazin LifeNews, das als pro-Kreml gilt. ›Ich bin sicher, dass einige amerikanische Führungsoffiziere eigentlich für die Terroranschläge in Paris oder die Islamisten, die sie dann ausgeführt haben, verantwortlich sind.‹«

Wie die Russen nur auf diese Vermutung gekommen sind...

 

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